LEITBILD
 
 
 

Die Schule realisiert, dass Schule-Halten (wie Erziehung überhaupt) zu einem Drahtseilakt ohne Netz geworden ist. Wenn die Schule an ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag festhalten will, muss sie Möglichkeiten suchen, darauf angemessen zu reagieren.
Die Hauptschule am Klostergarten hat sich zum Ziel gesetzt, durch folgende Schwerpunkte diesen Schwierigkeiten zu begegnen:

Schwerpunkt: "Lernen des Lernens"
Die Verfolgung immer anspruchsvollerer Bildungsziele und Kompetenzstandards muss zugleich berücksichtigen, dass die Voraussetzungen für erfolgreiches schulisches Lernen in sozialer, kognitiver, leiblicher, emotionaler und motivationaler Hinsicht bei Schülerinnen und Schülern weggebrochen sind.
Trotz dieses Mangels und oft gebrochener (schulischer) Biographien muss Schule versuchen, Lernen zu ermöglichen.
Jeder Schüler soll an der HSK die Möglichkeit bekommen, das Lernen zu lernen, um auf den jeweils individuell unterschiedlichen Verlauf des "lebenslangen Lernens" vorbereitet zu sein.

Schwerpunkt: "Biographisches Lernen"
Feste Leitbilder der Lebensführung, wie sie früher etwa in Geschlechterrollen, Familienformen und -positionen, Berufsbildern und durch die Art der Erwerbsarbeit usw. festgelegt waren, können von uns nicht mehr als vorgegeben betrachtet werden, zumal dann nicht, wenn ein Schulabschluss keinen Anschluss an das Beschäftigungssystem mehr gewährt.
So soll den Schülern durchaus ein dauerhafter Zugang dorthin ermöglicht werden, gleichzeitig aber müssen sie auch ihre Rolle als (zeitweilige) Empfänger staatlicher Transferleistungen lernen.
Die Schule muss also auch auf unvorhersehbare biographische Krisen und auf unerwünschte Formen der Lebensführung vorbereiten und den Schülern die hierfür notwendigen Kompetenzen bereitstellen.

Schwerpunkt: "Soziales Lernen"
Die Verschiedenheit der Menschen und die Begegnung mit Fremdem wird das Leben in Zukunft immer mehr bestimmen.
In dieser offenen, nicht vorhersehbaren Zukunft unserer Schüler und der ständigen Begegnung mit fremden Lebensformen können Möglichkeiten der Verständigung nicht einfach vorausgesetzt werden; vielmehr muss Schulbildung ermöglichen, sie täglich neu zu schaffen und auszubilden.

Schwerpunkt: "(Selbst-)Darstellen und Darstellend lernen"
Die Schule muss darauf reagieren, dass das "Erwachsenwerden" der Schüler nicht mehr als Harmonisierungsprozess zwischen gesellschaftlichen Anforderungen (die sich ohnehin in ständigem Wandel befinden) und individuellen Fähigkeiten zu verstehen ist. Somit muss sie eine Vielzahl von Möglichkeiten der Selbsterprobung und Selbstdarstellung für jeden Schüler schaffen. Genauso wichtig ist, dass viele Möglichkeiten gegeben sind, wahrnehmen zu können, wie sich Andere darstellen und erproben.
Auf diese Weise wird eigenes und fremdes Können erworben und wertgeschätzt.


Schwerpunkt: "Wahrnehmen lernen"
Die moderne Kultur, einschließlich der Naturwissenschaften und der Technik, hat auf verstörende Weise das Verhältnis von sinnlichen Wahrnehmungen und Begriffen problematisch gemacht:
Auf der einen Seite sind weite Bereiche des körperlichen, persönlichen und sozialen Lebens und ihre selbst intimsten Bereiche hoch bebildert und bloßgelegt; auf der anderen Seite sind wissenschaftlich-technische Begriffe, Modelle, Apparaturen der sinnlichen Realisation und Erforschung ihrer Faszination oftmals geradezu rigide entzogen.
Die Schule versucht daher, die Idee einer zeitgemäßen, durchaus auch politisch zu verstehenden Laien-Bildung zu entwickeln, der es darum geht, die jeweils abgeschnittene Seite zu reintegrieren und darin Haltungen der Neugier und der Zurückhaltung, der Aufmerksamkeit und der Scheu zu vereinen.


In diesen Dimensionen erscheint das Schule-Halten in einem weglosen Dickicht von Unwägbarkeiten und Unsicherheiten. Es steht nirgendwo auf gesichertem Grund, es gibt keine Spur, der man folgen könnte.

Somit wird Schule-Halten sich selbst ermöglichen müssen und dies nur können, wenn es am Gedanken der Unersetzbarkeit der Schule festhält:
daran, dass sie einen Beitrag zur Menschwerdung am jungen Menschen leisten möchte.

Daran arbeitet die Schule "am Montagmorgen und im nächsten Jahrhundert".

April 2008